ICH BIN IHR PARASIT, MADAME (14+)

Elyas und Tara sind Geschwister. Sie waren mal wirklich gute Freunde. Sie haben zusammen Diogenes gelesen und bewundert. Sie haben zusammen gerne Menschen irritiert, um sie so zum Nachdenken zu bringen. Und Tara hat so ihren Mut entdeckt. Nun will sie Coach werden, Menschen helfen immer besser zu werden im mutig und stark sein. Selbstbestimmt sich selbst zu optimieren. Weil Leistung Spaß macht. Und sie hat sich verliebt, in einen leistungsstarken Mann, einen reichen natürlich. Seitdem sieht ihr Leben anders aus. Elyas kann das alles nicht verstehen. Er tritt auf die Bremse. Schluss mit Schule, Schluss mit Leistung. Das kann doch unmöglich alles sein. Auch vor der Polizei verliert er seinen Respekt. Da entbrennt ein heftiger Konflikt zwischen den ehemals so nahen Geschwistern um Sozialschmarotzertum, Durchschummeln, Prinz sein und der großen Frage was der Sinn von Allem ist.
In den Nachgesprächen der letzten Jahre stießen wir im Kontakt mit den Jugendlichen immer wieder auf folgende Sätze:
“Ich will auf gar keinen Fall arbeitslos sein.”
“Lieber mache ich irgendwas, solange ich gesunde Hände und Füße habe, als Sozialhilfe zu bekommen.”
“Wenn ich könnte, würde ich nie mehr arbeiten wollen.” – darauf die Antwort – “Du bist ein Depp, so Sozialschmarotzer können wir echt nicht brauchen.”
Und es entbrannten heiße Diskussionen darüber, ob man sich hängen lassen darf oder nicht.
Und vor allem erschien es, als ob da nur Wut und Verachtung übrig wäre, sei es für die “Sozialschmarotzer/ Parasiten”, sei es für die, die einen zwingen wollen, sich einzufügen in ein fremdbestimmtes, unfreies Arbeitssystem.
Und in der Tat spiegeln die Jugendlichen da einen emotionalen und polemischen geführten gesellschaftlichen Diskurs. Die Errungenschaften des Sozialstaates werden im Moment stark in Frage gestellt.
Wir befinden uns einerseits mitten in einer Wirtschaftskrise und andererseits ist mehr Leistung, mehr Erfolg und Wachstum weiterhin im Hauptfokus.
Die Unterstützung für die Armen, Arbeitslosen, Kranken, Flüchtlinge usw. wird weniger, die Gewinne der Reichen immer höher. Selbst große Unternehmen werden eher subventioniert, als sozial Schwache, die Bildung oder die Kunst.
Die Angst vor der Schere, die sich immer weiter öffnet, lässt Menschen sich immer mehr verstricken in Versprechungen radikaler Parteien, die aber letztendlich auch die Schwachen im Visier haben.

Regie: Dana Csapo
Darsteller: Cagdas Sahan uns Zeynep Alan


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Spielort

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