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Heimat von oben

28 Juni 2019 / 20:00 20:50

Das Bildungsbürgertum bildet sich ein, Rechtspopulismus durchschauen zu können. Aber lässt sich eine Gruppe so weit verführen, dass sie unkritisch wird? Wie weit lässt das Theaterpublikum den Spieler gehen, bis es einschreitet? Wie politisch ist auch ein geschultes Theaterpublikum? Jörg Haider rief bereits 1991 in Richtung SPÖ: “Im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht.“ Trotzdem machte er mit einer heimatbezogenen Politik Karriere und man liebte ihn bis zu seinem Tod. Der Begriff Heimat wird zur Zeit von vielen Seiten beansprucht und verliert seine Bedeutung für das Individuum in einer Zeit, in der nationale Identität die Gesellschaft trennt. Kann eine Identifikation mit der heimatlichen Region noch stattfinden ohne jemanden wie Jörg Haider im Ohr zu haben? Wie weit kommt ein Politiker in Deutschland heute mit einem Satz wie: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“?

Ein Exil-Österreicher erinnert sich. Er erzählt von seiner Jugend in der österreichischen Provinz – unbehelligt und friedlich. Er wollte immer Schauspieler werden, doch seine Mutter trieb es ihm aus. Daraufhin ging er in die Politik. Die Texte aus Gert Jonkes „Geometrischer Heimatroman“ lassen ihn zum Geschichtenerzähler werden. Die Geschichten handeln vom dörflichen Leben, das nur Routine kennt. Die Abwechslung durch einen Künstler, der auf einem Drahtseil über ihren Köpfen tanzt, kommt da gerade recht. Alle Texte beginnen auf dem Land und fesseln das Publikum. Doch kann man ihnen vertrauen? War der Sturz des Künstlers vom Drahtseil nicht vorprogrammiert? War die kontroverse Aussage über die Beschäftigungspolitik wirklich nur eine verbale Entgleisung?  Ausgangspunkt des Stückes war die Beschäftigung mit dem Leben und Wirken des verstorbenen österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider. Im Abgleich der Biografien von Haider und dem Schauspieler Viktor Rabl zeigt sich, wie austauschbar scheinbar gegensätzliche Karrieren sind. Viktor kann zu Beginn problemlos Haiders Rolle einnehmen, ohne dass es jemandem auffällt.

Ihre Gemeinsamkeit mit den Texten von Jonke ist, dass sie so weit verführen, dass radikale Aussagen in der Folge unangefochten bleiben. Wir führen die drei Beispiele zusammen bis in die Gegenwart und suchen nach dem Punkt des Kippens in einer Biografie und in einem gesellschaftlichen Klima. Kann die Entwicklung aufgehalten werden? Wo ist der Punkt, an dem man Sätze glaubt, ohne weiter über sie nachzudenken? Der Mechanismus des Rechtspopulismus wird in seiner Verklärung und Identifikation mit dem Heimatbegriff offengelegt und pervertiert. Wir entführen das Publikum in die Provinz, führen es mit Geschichten hinters Licht und verführen es bis zum Bruch von Konvention und Vertrauen.

Durch eine offene Bühnensituation, in der der Schauspieler in der Mitte einer Arena steht, sucht er die direkte Konfrontation mit dem Publikum. Er gestaltet einen offenen Theaterraum, der es erlaubt und fordert in einen Dialog zu treten. Im Stile Haiders begrüßt er die ZuschauerInnen persönlich und bezieht sie mit ein – nur um sie in der Folge mit rechter Polemik zu einer Gegenrede zu provozieren. Die Verführung stellt das Publikum vor die Aufgabe, dem Bühnengeschehen kritisch gegenüberzustehen und einzugreifen. Wieviel lässt es sich gefallen? Das Stück soll stets die aktuelle Situation der Auseinandersetzung mit rechtem Populismus widerspiegeln und wird dementsprechend immer wieder aktualisiert.

Mit Texten aus Gert Jonkes “Geometrischer Heimatroman”
Produktion, Darsteller: Viktor Rabl
Dramaturgie; Jan Pfannenstiel


Kontakt & Reservierung

Reservierung unter tickets@szenewaldviertel.at
Büroöffnungszeiten: Mo-Fr 9:00-17:00

Spielort

Burg Raabs

Oberndorf bei Raabs 1
Raabs, 3820